Arthur Schnitzler schuf aus seinen Einfällen, Plänen, Entwürfen und verworfenen Schriften ein Archiv, das ihm, es immer wieder ‚durchstöbernd‘ und ‚durchwühlend‘, zur kreativen Werkstätte wurde. ‚Transcribing Schnitzler‘ lässt Sie diesen Arbeitsraum Schnitzlers selbst durchstöbern und eine Auswahl von noch unveröffentlichten Entwürfen und Handschriften entziffern. Die Archivmaterialien von Schnitzlers Dramen Professor Bernhardi und Das weite Land gehören zum Korpus des britischen Editionsteams der historisch-kritischen Ausgabe von Schnitzlers literarischen Texten. Ziel der Transkriptionsinitiative ist es, Menschen für die Handschrift und Texte des auch heute noch hochaktuellen Dichterarztes zu begeistern und gemeinsam mit ihnen innerhalb von vier Wochen alle hier bereitgestellten Überlieferungsträger zu entziffern. ‚Transcribing Schnitzler‘ versteht sich als eine Initiative für verschiedene Generationen; für diejenigen, die die deutsche Kurrentschrift noch aus dem Effeff beherrschen und diejenigen, die sie lernen möchten oder sich für die Texte Schnitzlers interessieren.

Die Originale der von ‚Transcribing Schnitzler‘ angebotenen Digitalisate befinden sich im Besitz der Cambridge University Library. 1938 wurde ein Großteil von Schnitzlers Nachlass, vorwiegend seiner literarischen Texte, wie auch ein Teil seiner Briefe, mithilfe des britischen Studenten Eric A. Blackall und der britischen Botschaft vor der Bedrohung durch die Nazis nach Cambridge gerettet.

Können Sie die Handschrift eines Dichterarztes lesen? ‚Transcribing Schnitzler‘ macht Sie mit einer der schwierigsten und eigenwilligsten Handschriften des zwanzigsten Jahrhunderts bekannt. Das Projekt macht Schnitzlers einzigartigen Fundus von Entwürfen und literarischen Texten einer größeren Öffentlichkeit zugänglich. Im Mittelpunkt stehen die Entzifferung und Transkription der Materialien. Darüber hinaus ermöglicht die Webseite, Schnitzlers Arbeitsweisen, die Arbeit des Editionsprojekts und die noch immer aktuellen Fragen Schnitzlers zu erforschen. Crowdsourcing wird hier als die Möglichkeit einer Zusammenarbeit und als wechselseitiger Austausch verstanden. Folglich werden nach Projektende die Ergebnisse der Transkriptionsinitiative, das heißt die erfolgreichsten Transkriptionen der einzelnen Dokumente, auf der Webseite veröffentlicht. Geleitet wird das Projekt von Annja Neumann, Research Associate des britischen Editionsteams.

Die Webseite nutzt das benutzerdefinierte Design Omeka 2 und ein Transkriptions-Plugin, das von Digital Research & Publishing der University of Iowa Libraries entwickelt wurde.

Die Transkriptionsinitiative ist öffentlich und ermöglicht jedem den Zugang zu einer Auswahl von Schnitzlers unveröffentlichten Entwürfen. Gute Deutschkenntnisse sind Voraussetzung für die Entzifferung von Schnitzlers Handschrift. Dabei sind paläographische Vorkenntnisse vorteilhaft, aber keineswegs eine Bedingung. Aus Sicherheitsgründen und um die Qualität der Umschriften zu gewährleisten, ist die Transkription der digitalisierten Überlieferungsträger erst nach der Registrierung möglich. Danach können Sie direkt anfangen, zu transkribieren.

Das binationale Forschungsprojekt Arthur Schnitzler digital. Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1904 bis 1931) wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der Bergischen Universität Wuppertal, der University of Cambridge, dem University College London und der University of Bristol in Kooperation mit der Cambridge University Library und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach sowie mit dem Trier Center for Digital Humanities durchgeführt. Das deutsche, Anfang 2012 gegründete und von der Union der Akademien finanzierte Teilprojekt bearbeitet die Werke ab 1914; das britische, vom Arts and Humanities Research Council (AHRC) finanzierte Teilprojekt hat Anfang 2014 seine Arbeit aufgenommen und bearbeitet Werke von 1904 bis 1913.

Ziel des Projekts ist die Erarbeitung einer digitalen historisch-kritischen Edition und deren Publikation im Rahmen einer von der Cambridge University Library als ‚host‘ beherbergten öffentlich zugänglichen Online-Plattform. Im Gegensatz zu anderen Vertretern der Klassischen Moderne waren die Werke des großen österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler (1862–1931) bislang nicht in einer wissenschaftlichen Edition greifbar. Während Werke aus der frühen Schaffensperiode (bis 1904) im Rahmen eines vom FWF geförderten Wiener Projekts als historisch-kritische Buchausgabe (und als eBook) erscheinen (de Gruyter 2011ff.), will unser Projekt die medienspezifischen Möglichkeiten einer digitalen Edition für die Präsentation der Werke ab 1904 nutzen. Unter Einbeziehung des umfangreichen, 1938 nach Cambridge geretteten (und heute hauptsächlich dort, zu einem kleineren Teil in Marbach und vereinzelt anderenorts aufbewahrten) Nachlassmaterials wird das Forschungsvorhaben Einblicke in Arbeitsweise und produktionsästhetische Prinzipien eines Autors bieten, der die gesamte Epoche der Klassischen Moderne (ca. 1890–1930) von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende literarisch äußerst vielgestaltig und mit hochgradiger Sensibilität für ihre Probleme und Widersprüche mitgeprägt hat.

Weitere Informationen zum Editionsprojekt und zur Transkriptionsinitiative: http://www.arthur-schnitzler.org

http://www.theguardian.com/books/2015/nov/01/arthur-schnitzler-archive-formally-acquired-by-cambridge-university

http://www.theguardian.com/books/2015/jun/24/alternative-ending-discovered-to-book-behind-eyes-wide-shut

• You can provide feedback on the transcription website and win two theatre tickets for 'Professor Bernhardi' in Cambridge here: http://goo.gl/forms/4lhKv8zyAg8DlJUS2

Vielen Dank an das Team des DIY History Transkriptionsprojekts der University of Iowa Libraries, das uns großzügig den Source Code ihrer Website (http://diyhistory.lib.uiowa.edu) zur Verfügung gestellt hat. Großer Dank für die technische Unterstützung geht außerdem an Melanie Leggatt und Oliver Denning (Institution Support Service, University Information Services) und an Hal Blackburn (Digital Library Development Department, Cambridge University Library). Vielen Dank auch an Christian Belz und das übrige philologische Team aus Wuppertal für die Erstellung der diplomatischen Umschriften. Ohne die Erlaubnis der University Cambridge Library, eine Auswahl der Digitalisate auf der Webseite zu verwenden, wäre das Projekt nicht möglich gewesen.